Wümme - Zeitung 02. Januar 2019

Schieß-Karriere als Alternative

Luftgewehr-Freihand-Schütze Carsten Jung stellt eine erhebliche Verstärkung für den SV Wörpedorf dar

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Wörpedorf. 
Über einen außergewöhnlichen Neuzugang freuen sich die Luftgewehr (LG)-Freihand-Schützen des SV Wörpedorf in der Landesverbandsoberliga. Carsten Jung war schließlich sogar schon in der 1. Bundesliga für den SV Wolthausen bei Celle im Einsatz. Für Wörpedorf entwickelte sich Jung schnell zum Leistungsträger, der dazu beitrug, dass der Klub vorzeitig den Klassenerhalt sicherstellte.


Eigentlich wollte Carsten Jung immer nur Fußball spielen. Bevor seine Laufbahn richtig begonnen hatte, musste er diese aber auch schon wieder beenden. „Ich habe mir als kleines Kind einen Schädelbruch zugezogen. Deshalb hätte für mich bei Kopfbällen eine Gefahr bestanden“, erzählt der Beamte.

Erst im Erwachsenenalter gründete er mit Freunden eine zweite Fußball-Mannschaft in Bad Gandersheim, mit der er aus der 3. bis in die 1. Kreisklasse aufstieg. „Dabei habe ich auch das eine oder andere Punktspiel bestritten“, so der 38-Jährige. Jung ist Fan des 1. FC Kaiserslautern. „Durch den Abstieg in die 3. Liga bin ich da leidgeplagt“, sagt er. Vor 13 Jahren zog er aus der Nähe von Einbeck nach Bremen und besucht seitdem auch hin und wieder ein Heimspiel von Werder Bremen.

Wie der ältere Bruder

Sein älterer Bruder Markus Jung brachte ihn als Kind zum Schießsport. Die beiden Brüder liefen auch ein paar Jahre gemeinsam in der LG-Landesverbandsliga für die SG Kreiensen auf, deren Vorsitzender Markus Jung auch mal war. Vater Horst Jung kam erst durch seine beiden Söhne zum Schießsport und ist in dieser Hinsicht immer noch in der alten Heimat aktiv. „Mein Vater hat mich immer sehr unterstützt bei meinen sportlichen Aktivitäten“, betont Carsten Jung. Als vor 14 Jahren eine Anfrage des Erstligisten SV Wolthausen kam, musste Jung nicht lange überlegen. „Das war ein Abenteuer und eine tolle Erfahrung“, schwärmt er. Es sei aber auch anstrengend und zeitintensiv gewesen. „Wir haben viermal in der Woche trainiert. Die Wettkämpfe haben zudem das gesamte Wochenende in Anspruch genommen“, erinnert sich der Schießsportler zurück.

Auch wenn die laufenden Kosten durch Sponsoren gedeckt worden seien, habe er nicht das Leben eines Profis aus anderen Sportarten genossen. „Vom Schießsport kann man ja nicht leben. Da muss man eher noch eigenes Geld mitbringen“, gibt Carsten Jung zu bedenken. Die Wolthauser stiegen auch direkt wieder aus der 1. Bundesliga ab. Das spätere Angebot eines Zweitligisten aus Braunschweig lehnte der frühere Kreienser ab.

Als Carsten Jung 2005 nach Bremen kam, schloss er sich dem Blumenthaler SV an. „Ich bin nach Blumenthal gegangen, weil Martin Brüggestrat damals dort Trainer war“, sagt der Familienvater. Dann wechselte er zum SV Stuhr von 1912, für den er einige Jahre in der Landesverbandsliga antrat.

Nun zog Carsten Jung allerdings aus Bremen nach Lilienthal. „Deshalb wollte ich nicht mehr ganz nach Stuhr fahren“, so der Schütze. Also suchte er sich einen ambitionierten Verein vor der Haustür und wurde in Wörpedorf fündig. Bereits seit zwei Jahren bestand ein loser Kontakt zu Wörpedorfs Teammanager Karl-Helmut Krause, der Carsten Jung zu seinem Verein lotste.

„Aus meinen Jahren in der Landesverbandsliga kannte ich bereits zuvor meine neuen Teamkollegen Daniel Pinnow sowie Marcus und Volker Kriete“, berichtet Jung. Bei seinem neuen Verein sei er hervorragend aufgenommen worden. „Ich bereue meinen Wechsel auf keinen Fall, sondern freue mich im Gegenteil auf die nächsten Jahre mit dieser Mannschaft“, versichert der 38-Jährige. Das Training unter Coach Oliver Heitmann gefalle ihm sehr gut. In seiner besten Zeit hat Carsten Jung auch schon mal 395 von 400 möglichen Ringen angebracht. „Davon bin ich aber derzeit meilenweit entfernt“, räumt der Wörpedorfer Neuzugang ein. Er sei momentan zufrieden, wenn er 380 Ringe erreiche. „Für mehr müsste ich auch wesentlich mehr tun“, sagt Carsten Jung. Da er aber gerade erst ein Haus gebaut und schließlich mit Philipp (5) und Lea (3) zwei kleine Kinder zu Hause habe, halte sich der Trainingsaufwand derzeit eher in Grenzen. Deshalb beschränkt sich der frühere Kleinkaliber-Liegend-Schütze auch auf das LG-Schießen. Nur ab und zu greift er noch in einen Kleinkaliber-100-Meter-Freihand-Wettbewerb ein.

Zum Auftakt der Saison in der LG-Landesverbandsoberliga unterlag Carsten Jung zwar seinem Ex-Verein SV Stuhr von 1912 mit 1:4 und musste mit seinem neuen Team auch eine 2:3-Schlappe gegen den SV Etzhorn wegstecken. Doch Jung holte an Position fünf seine beiden Einzelpunkte. Nachdem er die Wettkämpfe Nummer drei und vier aus beruflichen Gründen verpasst hatte, steuerte er zuletzt wieder zwei Einzelzähler bei den Erfolgen über den SV Leuchtenburg und den SV Ladekop II bei.

Seine Frau Tanja Jung begleitet ihn häufig zu den Wettbewerben. Im Jahre 2004 nahm Carsten Jung sogar an den deutschen Meisterschaften in München teil. Trotz weiterer DM-Qualifikationen verzichtete er in der Folgezeit aus zeitlichen Gründen auf weitere Fahrten in die bayerische Landeshauptstadt. Demnächst möchte Jung erst einmal mit dem Rennrad ausgiebig seine neue Umgebung erkunden.


Aktualisiert (Mittwoch, den 30. Januar 2019 um 21:15 Uhr)